Dreyngeschichte
1997
Christoph Kaindel beginnt an der Universität Wien mit seiner Diplomarbeit zum Thema „Mittelalterliche Zweikampftechniken“ und stößt dabei im Zuge seiner Recherchen auf eine Transkription des Fechtbuchs von Sigmund Ringeck (Mscr. Dresd. C 487). Er beginnt es interessehalber in das Neuhochdeutsche zu übersetzen und in weiterer Folge mit seinen – gleichermaßen historisch interessieren und Kampfsport-vorbelasteten – Freunden Walter Engel und Oli Walter in der Praxis die von ihm erstellte Übersetzung der Techniken zu erproben.
1998
Die Gruppe der am historischen Schwertkampf interessierten ist auf 6 Fechter angewachsen. Man trainiert mittlerweile regelmäßig und ist aufgrund der verwaltungsrechtlichen Lage in Wien (die Stadt vermietet Schulturnsäle nur an Sportvereine, nicht an Einzelpersonen) gezwungen, einen Verein zu gründen, was im Oktober geschieht. Die Diskussion über den Namen des frisch gegründeten Vereins zieht sich über mehrere Wochen, schlussendlich endlich einigt man sich auf „Die Liechtenauer Fechter“ als offiziellen Vereinsnamen und das aus den Liechtenauerschen Merkversen abgeleitete Kunstwort „Dreynschlag“ als „nom du guerre“ bzw. als Namen für die Schaukampfgruppe.
Bei der Vereinsgründung (im Wiener Irish Pub „Bogside Inn“) hatte man die schlaue Idee, dass wenn man schon einen Verein gründet, der seltsame Dinge tut (seltsam im Sinne von „das macht niemand anderer“), dann sollte man wenigstens darauf achten, dass der Vereinsrepräsentant (Obmann) Akademiker ist, da der Österreicher im allgemeinen und der Wiener im speziellen immer noch sehr respektvoll gegenüber Trägern akademischer Titel ist. Also wurde zwischen den beiden Herren, die sich ein „Mag.“ vor den Namen stellen durften, die Münze geworfen, und da eigentlich keiner Obmann werden wollte, musste der Verlierer den Posten einnehmen (und ist es seither geblieben).
Noch im selben Jahr, sogar vor der offiziellen Vereinsgründung, wurde der erste Schaukampfauftritt in der Öffentlichkeit absolviert, im Rahmen eines Sommerfestes in Bad Vöslau – im Programm eingebettet zwischen Jazz-Gitti und einer Hundevorführung. Die Nachwelt kann dankbar dafür sein, dass es zu diesem Auftritt kein Bildmaterial gibt …
1999
Es wurde weiter trainiert, aufgerüstet (Oli leistete sich seine erste Vollplatte) und es gab einige Auftritte, unter anderem beim größten Mittelalter-Kommerzspektakel des deutschen Sprachraums, in Kaltenberg. Wir waren auf 10 Aktive (inklusive dreier kämpfender Mädels) angewachsen, ein früherer Mitstreiter hatte uns wieder verlassen.
Die Erstversion unserer Homepage ging online, und so hat uns dann auch Harry gefunden … man sieht also, alles hat seinen Preis.
2000
Viele schöne Auftritte, unter anderem vor mehr als 1.000 Zusehern beim Brauereifest in Kaltenhausen, und beim Ritterturnier in Trautenburg.
Wir mussten damals mit den Trainingslocations kämpfen, und Walter brachte uns erstmals nahe, dass dumme Hüte das Um und Auf sind. Am Anfang waren wir noch skeptisch …
2001
Wir entdecken, dass es außer uns im deutschen Sprachraum auch andere Gruppen gibt, die sich ernsthaft mit dem Historischen Fechten beschäftigen, und so kommt es zum ersten gruppenübergreifenden Treffen in München mit Ochs, Zornhau und den Freifechtern. Technikinterpretationen werden verglichen, es gibt allseits viele Aha-Erlebnisse, und neue Kontakte werden geknüpft bzw. Freundschaften geschlossen.
International werden Christoph, Oli und Harry Mitglieder der HEMAC.
Auf dem Gewandungs- und Ausrüstungssektor machen wir uns erstmals Gedanken darüber, wie man eine Darstellung des Spätmittelalters ernsthaft recherchiert.
2002
Das erste HEMAC-Treffen in Dijon steht an, und wer hält den ersten Workshop beim ersten Treffen und bricht so das Eis? Richtig … und weil unsere Interpretationen des historischen Ringens so viel Anklang finden, werden wir im Herbst gleich nochmals nach München zu den Ochsen eingeladen, um auch mit ihnen einen Workshop abzuhalten.
Schaukampfmäßig wenig Highlights dieses Jahr. Unsere Gewandungen werden besser und unsere Hüte dümmer …
Wir beginnen mit der schönen Tradition des Dreynschlag-Bootcamps.
2003
Ein ereignisreiches Jahr mit sehr vielen Auftritten (zum ersten und zum letzten Mal machen wir den Fehler, an einem Wochenende auf zwei Veranstaltungen aufzutreten, das konnte nicht wirklich gut gehen), einigen Verletzungen (Oli war gleich zwei Mal im Spital) und freundlichen Einladungen (erstmals wurden wir von „ernsthaften“ deutschen Reenactment-Gruppen zu einer Burgbelebung auf die Veste Coburg eingeladen). Seit diesem Jahr ist auch Enzi mit dabei …
In diesem Jahr kommen die Ochsen zum Gegenbesuch zu uns, und in Dijon sind wir natürlich auch wieder live dabei.
2004
Ein wahrlich wichtiges Jahr mit vielen Besonderheiten und Premieren:
Der erste Dreynevent in Wien findet statt, wir sind erstmals in Rabenstein, wir nehmen erstmals an einer großen Feldschlacht (Bellum Viritim) teil, wir werden erstmals von der Hofjagd- und Rüstkammer eingeladen, unser Können im Rahmen der Langen Nacht der Museen zu zeigen, und beim Versuch Dijon zu erreichen brennt uns Harrys Karre aus … wem das noch nicht reicht, den verweisen wir darauf, dass in diesem besonderen Jahr Enzi nur um Haaresbreite einer Querschnittlähmung entging und wir gemeinsam mit drei anderen HEMA-Gruppen in Österreich den Fachverband für Historisches Fechten gegründet haben.
Dieses Jahr ist rein von der historischen Bedeutung her schwer zu toppen.
2005
Gegen das Jahr davor war dieses eher wenig ereignisreich – es geht für uns dennoch in die Geschichte ein als das Jahr, in dem dumme Hüte nunmehr auch international salonfähig wurden (wie wir in Dijon, das wir in diesem Jahr zum ersten und zum letzten Mal mit dem Zug aufsuchten, feststellen konnten).
2006
Das erwähnenswerteste und herausragendste Ereignis in diesem Jahr war die Produktion unserer Schaukampf-DVD mit Agilitas.tv. Bedauerlicher Weise wurde das kein Kassenschlager und wir sind immer noch nicht reich. Viele feine Auftritte, ein weniger feiner.
Unsere Ausrüstung wird immer schöner und historisch korrekter. In diesem Jahr machen wir zwei sehr feine Fotosessions auf der Burg Liechtenstein und im Stephansdom.
Dave Rawlings ist bei uns zu Gast und zeigt uns allerlei Spielerei mit Schwert und Buckler, dennoch werden wir mit diesen Waffen eigentlich nie wirklich warm.
2007
Der zweite große offizielle Dreynevent findet statt, ab diesem Jahr auf dem nunmehr gewohnten Termin Anfang Februar. In Dijon machen wir mit einer ziemlich originellen Demonstration von Paulus Hector Mairs Sichel und Sense auf uns aufmerksam.
Dieses Jahr ist das letzte, in dem Christoph mit uns trainiert und auftritt, leider wird ihm das mit den Jahren zu mühsam.
Harry wird bei den Sportfechtern zum Übungsleiter ausgebildet, klingt komisch, is aber so.
Nach unserem ersten echten strukturierten Anfängertraining über mehrere Semester expandieren wir den Mitgliederstand erstmals seit längerem und treten uns u.a. Eugenbast ein.
Im Rahmen des Projektes „Wiener Wache“ unternehmen wir einen Rüstmarsch vom Stephansplatz auf den Leopoldsberg.
2008
10 Jahre Dreynschlag – unglaublich aber wahr. Unser Geburtstagsfest ist ein großer Erfolg, der diesjährige Dreynevent natürlich auch.
Mehr gibt’s dazu nicht zu sagen.
2009
Immer noch schaukampfmäßig on the road (u.a. in Purgstall, wo es uns auch sehr gut gefällt) – mittlerweile fahren wir aber auch schon auf reine Reenactment-Veranstaltungen, und haben daneben immer noch Zeit und Muße, uns dem Historischen Fechten zu widmen und natürlich für unseren Event.
Wir beginnen mit unseren Bemühungen, das Historische Fechten in Österreich bekannter und vor allem „offiziell“ zu machen.
Wieder werden wir zu einer musealen Veranstaltung auf die Veste Coburg eingeladen, was uns sehr freut.
Wir bekommen unseren Dreynbus und, fast noch wichtiger, die Kühlkiste.
2010
Wir treten der SPORTUNION bei und nehmen eine alte Tradition – das Treffen mit den Ochsen – wieder auf. Erstmals läuft ein wirklich gut aufgebautes und organisiertes Anfängertraining. Der Dreynevent hat mittlerweile 180 Teilnehmer.
Unsere Schaukämpfe werden immer absurder, genauso wie die Hüte.
2011
Aus dem oben erwähnten strukturierten Anfängertraining rekrutieren wir gleich 8 neue Mitglieder, was uns sehr gut tut, da einige „alte“ aus den verschiedensten Gründen nicht mehr trainieren oder auftreten können.
Wir bekommen unsere Kanone.
2012
Der Dreynevent schlägt wieder alle Teilnehmerrekorde, und erstmals fahren mehr Dreynschläger nach Dijon als Mitglieder der Schola Gladiatoria.
